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Innenraum

Der einschiffige Saalbau mit Doppelpilastergliederung und Korbbogentonnen wurde 1937 um ein Joch nach Westen erweitert. Im langgestreckten, eingezogenen Chor mit Fünfachtelschluß treten noch die ursprünglichen gotischen Proportionen zutage. Als die Kirche am 10. Juli 1708 eingeweiht wurde, war sie noch recht schmucklos. Die bis heute erhaltene Innendekoration erfolgte, aus uns unbekannten Gründen, erst Jahr- zehnte später. Zarter, dezent farbig gefaßter Wessobrunner Rocaille-Stuck aller- höchster Qualität vermittelt den Eindruck anmutigsten bayerischen Rokokos. Dieser Stuck wird wegen auffallender Ähnlichkeiten mit gesicherten anderen Arbeiten dem Kunsthandwerker Franz Xaver Schmuzer (1713-1775) zugeschrieben.

 

Die Fresken, signiert und mit einem Hinweis auf ihr Entstehungsjahr 1755 versehen, schuf Johann Jakob Zeiller aus Reutte in Tirol. Auch das große Kuppelfresko der Ettaler Klosterkirche gehört, wie das der Abtei Ottobeuren, zu den herausragenden Werken des bedeutenden Malers.Im Langhaus von St. Vitus ist das Martyrium des jugendlichen Kirchenpatrons dargestellt.

 

Am linken unteren Bildrand des an die Legende von der Errettung des Heiligen erinnernden Freskos wird der Betrachter in das wundersame Geschehen gleichsam hineingezogen. Hier sitzen, abgewandt, neben dunklem Felsgestein drei Soldaten und schauen über eine freie Wiesenfläche hinweg der – den Mittelgrund beherrschenden - Handlung zu: Auf wundersame Weise unverletzt erhebt sich Vitus aus einem Ölkessel, unter dem ein Feuer entzündet ist.

 

Ihn umringen heftig gestikulierend die Folterknechte. Ein bärtiger Greis weist auf die verblasste Jupiterstatue an der Bildperipherie. Nur noch ein Schemen, ein Schatten seiner selbst sozusagen, steht der Hauptgott der Römer auf brüchigem Sockel. Die rechte Bildseite wird von einer imposanten Torarchitektur eingenommen. Davor sitzt, auf seinem Thronsessel, der Christenverfolger Diokletian. Dem römischen Kaiser ist sein entsetztes Erstaunen an den Augen abzulesen: sie drohen ihm schier aus dem Kopf zu fallen.

 

Im Zentrum der Himmelshöhe ist, inmitten einer Strahlengloriole, das Symbol der christlichen Dreieinigkeit sichtbar, umgeben von Engeln mit Palme, Krone und Kränzen als Siegeszeichen in ihren Händen.

 

Bevor wir uns dem zweiten Iffeldorfer Deckenfresko nähern, noch ein paar Worte zur Vitus(Veit)legende.Ihr zufolge wurde der in Mazara, Sizilien, geborene und um 304 im süditalienischen Lukanien gestorbene Sohn eines Senators von seiner Amme Crescentia und seinem Erzieher Modestus zum Christentum bekehrt. Gegen den erklärten Willen des Vaters.

 

Dieser brachte den trotz Strafen unbeirrbaren Knaben vor einen Richter. Als nun dessen Schergen das Kind durch körperliche Züchtigungen von seinem christlichen Glauben abzubringen versuchten, seien ihnen, so die Überlieferung, die Arme am Körper „verdorrt“. Vitus aber schloss seine Peiniger ins Gebet ein. Gewarnt durch Engel, entkam er gemeinsam mit Crescentia und Modestus in eine entlegene Provinz. Dort versorgte ein Adler die Glaubensflüchtlinge mit Nahrung.

 

Nach ihrer Entdeckung ließ Diokletian die drei in einen Kerker werfen, obwohl Vitus zuvor den Sohn des Kaisers von unkontrollierbaren Zuckungen (Veitstanz) hatte heilen können. Himmlische Wesen verhalfen ihnen zur Freiheit. Unter ihrem Schutz stand Vitus auch als - wie in Iffeldorf zu sehen - ein qualvoller Tod im siedenden Öl seiner harrte. So oft man ihm forthin nach dem Leben trachtete, so sicher wurde er aus der Gefahr errettet. Und doch war Vitus zum Märtyrer ausersehen. Wie von Geisterhand zum Einsturz gebrachte Säulen begruben seinen Henker unter sich, während Engel den sterbenden Vitus zu einem Flussufer trugen, wo er friedlich entschlief.

 

Im Jahre 756 kamen die Gebeine des Heiligen in die Basilika Saint-Denis bei Paris und 836 in die Abtei von Corvey. Seit 1355 wird sein Haupt im Prager Veitsdom aufbe- wahrt. Der Festtag des Hl. Vitus ist der 15. Juni. Von alters her sehen ihn Bettler, Gaukler, Tänzer, Schauspieler, Kupferschmiede, Apotheker und Winzer für ihren Patron an.

 

Wer den Chorbogen durchschreitet und den Blick Richtung Altarraumdecke wendet, erkennt im hellen Schein einer imaginären Wolkenöffnung die Verehrung des Heiligs- ten Herzens Jesu durch eine Engelschar. Das Motiv dieses Freskos nimmt Bezug auf die 1706 in Iffeldorf gegründete Herz-Jesu-Bruderschaft, eine der ersten ihrer Art im Bistum Augsburg.

 

Richten wir unser Augenmerk nun noch auf die Grisaillen (Gemälde in braunen, grauen oder grünen Farbtönen) in den Gewölbezwickeln. Hinter jedem der insgesamt acht Embleme verbirgt sich nämlich eines der für die Zeit des Barock und Rokoko charakteristischen Bilderrätsel.

 

Um das Vitusfresko gruppierte Johann Jakob Zeiller Darstellungen aus dem Pflanzen- reich. Vordergründig verweisen Lilie, Rose, Weinstock und Granatapfel auf die Tugend und die Gnadenfülle des heiligen Märtyrers. Auf einer zweiten Ebene spielt der Zyklus auf die vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter an.

 

Auch das Herz-Jesu-Deckengemälde ist von gedankenreichen Sinnbildern umgeben. Der vom Pfeil getroffene Hirsch, der Pelikan, der seinen Jungen sein Herzblut zu trinken gibt die geöffnete Muschel mit einer Perle und der brennende Vulkan machen zuerst einmal auf die liebende Hingabe Jesu Christi aufmerksam. Zusätzlich enthält dieses Bildprogramm Hinweise auf die vier Elemente: Erde, Luft, Wasser und Feuer.

 

Einige Teile der Innenausstattung stammen noch aus der Mitte des 18. Jh.. Dazu gehören die recht ungewöhnlichen holzgeschnitzten Balustersäulchen unter der Empore und die Kirchenbänke. Um 1600 entstand die aus dem Wasserburger Raum stammende  Schutzmantelmadonna. Die Mariahilf-Darstellung mit Blumenkranz im üppigen barocken Goldrahmen soll aus der Werkstatt von Lucas Cranach stammen.

 

Die Seitenaltäre sind eine Stiftung des frühen 19. Jahrhunderts mit Altarblättern des einst sehr bekannten und gefragten Münchner Malers Joseph Hauber. Der Hochaltar mit seinen halbplastischen Darstellungen von Jesu Geburt und Tod kam im Zuge einer Renovierung im Jahre 1888 in die Kirche.

 

Alle Restaurationsmaßnahmen des 20. Jahrhunderts,  in Sonderheit jene der Jahre 1982 bis 2001, dienten vornehmlich der Wiederherstellung des Originalzustands von Stuck, Deckenfesken und Fassadengestaltung.

 

 Text: Brigitte Roßbeck